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Geschichte

Relief des Brunner Künstlers Heinrich Revy an der Eingangsfront des Freizeitzentrums Mödling
Relief des Brunner Künstlers Heinrich Revy an der Eingangsfront des Freizeitzentrums Mödling

Im Jahr 1927 entschloss sich die Stadtgemeinde Mödling dem langgehegten Wunsch der Bevölkerung nachzukommen, ein städtisches Bad zu errichten. Auslöser war die Auflassung des Dampfbades im legendären „Schwarzbad“ in der Neusiedlerstraße sowie die behördliche Schließung des Einsenmineralbades in der Pfarrgasse im Jahre 1922. Bei der Gemeinderatssitzung am 31. März 1927 wurde die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 110.000 Schilling beschlossen um damit die Gründe des „Lebensmittellagers der Staatsangestellten“ zwischen Turnergasse und Gretl Sätz-Steig anzukaufen. Danach erfolgte auch die Umbenennung der Turnergasse in Badstraße.

Die Vorarbeiten begannen mit einigen Schwierigkeiten. So fand man etwa erst in 87 Metern Tiefe das für ein Bad unentbehrliche Nass, die Baulinie zu den benachbarten „Duursma-Häusern“ für Offiziere war Gegenstand endloser Diskussionen und schließlich war das für den Bau nötige Geld gar nicht vorhanden. In zahllosen Beratungen, 25 Vorstanssitzungen, 19 Gemeinderatssitzungen und 44 Badeausschuss-Sitzungen wurde schließlich beschlossen, ein möglichst ökonomisches Konzept umzusetzen.

Schließlich einigte man sich auf eine sogenannte Kombinatslösung: Geplant wurde ein Hallenbad mit Schwimmbecken, Wannen- und Brausebädern sowie ein Dampfbad. Zur optimalen Dampf- und damit Energieausnutzung wurde im Winter ein Kunsteislaufplatz und eine Blockeisfabrik betrieben. Zusätzlich konnte sogar noch ein Dampf-Lohnwäscherei betrieben werden.

Baubeginn Herbst 1927 (li.), Konstruktion der Kuppel für das Hallenbad (re.).
Baubeginn Herbst 1927 (li.), Konstruktion der Kuppel für das Hallenbad (re.).

Der Gemeinderat hieß das Projekt gut und in der Jury welche die Entwürfe für das Bauvorhaben zu beurteilen hatten saß sogar der weltberühmte Architekt Clemens Holzmeister. Die Fachleute zeigten sich von den Plänen im „Bauhausstil“ von Architekt Hermann Tamussino begeistert, der schließlich auch den Zuschlag erhielt. Einen Entwurf wie seinen, mit quaderförmigem Gebäude mit leiterartigen Fensterreihen und dem einem Turm nachempfundenen Eckgebäude, glatten Arkaden und vertikalen Terrassenanalagen, hatte man in Österreich noch nie gesehen.

Zahlreiche Schwierigkeiten beim Bau – nicht zuletzt der harte Winter 1927/28 bei dem zum Abbinden des Betons der Eisenbetondecke der Schwimmhalle Feuerkörbe mit Koks Tag und Nacht unter Feuer gehalten werden mussten – sorgte für eine Kostenexplosion: die veranschlagten 1,5 Millionen Schilling wurden um das Doppelte überschritten und machten der Stadt lange Jahre im Budget große  Schwierigkeiten.

Trotz aller Misslichkeiten wurde die Eröffnung der Badeanstalt am 30. Juni 1928 ein Riesenerfolg. Bürgermeister Ferdinand Buchberger konnte zumindest das Sommerbad vor zahlreichen Journalisten und Festgästen seiner Bestimmung übergeben.

Eröffnung des Stadtbades 1928 mit Bürgermeister Ferdinand Buchberger.
Eröffnung des Stadtbades 1928 mit Bürgermeister Ferdinand Buchberger (Mitte vorne, mit schwarzem Anzug und Taschenuhr).

Das  ungefähr 10.000 Quadratmeter umfassende Bad spielte aber wirklich „alle Stückerl“. Der damalige Direktor Carl Zwilling lobte die „wahrhaft prunkvoll ausgestaltete Badeanstalt, die neben der Schwimmhalle auch ein Sommerbad mit einem Sprungturm, zwei Srpungbrettern und einer Wasserrutsche hat. Zwei Sonnenbäder mit nach Geschlechtern getrenntem Nacktbereich und der 1500 Quadratmeter große Sonnenliegeplatz mit Strankdkörben.“ Zusätzlich warteten Turngeräte, ein moderner Spielplatz, Kiosk, ein Badbuffet und vieles mehr.

Nach Beendigung der erfolgreichen Sommersaison 1928 und nach Fertigstellung der Pumpanlagen und dem Innenausbau des Hallenbades erfolgte am 1. Oktober 1928 die offizielle Eröffnung, bei der Bundespräsident Dr. Michael Hainisch den Schlusssstein der Eingangshalle einsetzte.

Badehalle und Brausen.
Am 20. Oktober 1928 wurde erstmals in der neuen Badehalle geplantscht (l.); Zugang zu den Brausen und Dampfbad.

Neben der technisch gelungenen Umsetzung setzte das neue Bad auch künstlerische Akzente. So schmückten Reliefs des Brunner Künstlers Heinrich Revy die Eingänge der Straßenfront und im Gebäude fasznierten zwei Großgemälde des Maria Enzersdorfer Malers Carl J. Peyfuß die BesucherInnen. Der „Zug der männlichen Wasserfreunde“ und gegenüber das weibliche Pendant (mit nackter Brust, die Bürgermeister Stingl in den 60er Jahren übermalen hatten lassen) schmücken bis heute den Eingangsbereich. Seit der Renovierung 1998 auch wieder in der ursprünglichen Ausführung ohne die Brust verhüllendes Badekleid.

Im Halbstock des Stiegenaufganges stellen zwei wunderschöne Bilder von Anton Reckziegel den Mödlingbach in der Klausen und seinen Unterlauf als idyllische „Urlandschaft“ dar.

Gemälde von Peyfuß und Reckziegel.
Anton Reckziegels Landschaftsbild im Stiegenaufgang (li.); Der einstige Aufreger von Carl Peyfuß, nach der jüngsten Renovierung wieder ohne verhüllendes Badekleid!

Gleich an den ersten zwei Badetagen wurde die neue Anlage mit 1700 BesucherInnen regelrecht gestürmt. Der Preis für ein Dampfbad mit Benützung der Schwimmhalle und der Brausen lag bei 1,80 Schilling. Zum Preisvergleich: ein kleines Bier mit einem Gulasch kostete 1,10 Schilling.

Am 6. November 1928 wurde der Eislaufplatz eröffnet, wo int. Prominenz wie Weltmeister Karli Schäfer und Europameisterin Fritzi Burger ihr Können zeigten. Zudem gab es fast jeden Abend Eishockeyspiele, Schaukunstlaufen und Publikumsbewerbe.

Eislaufvergnügen und Wannenbaden.
Eislaufvergnügen im Jahr 1933 (li.); Ein Wannenbad 1. Klasse kostete 1,60 Schilling.

Am 15. Oktober 1938 wurde Mödling in das Gebiet von Groß-Wien eingegliedert, damit ging auch die Verwaltung an Wien über. In der Lohnwäscherei wurde nur mehr Spitalswäsche gereinigt, im Zuge der Zentralisierung wurde auch ein Großteil der Bediensteten entlassen, Bei den Bombenangriffen während des zweiten Weltkrieges wurde bei einem Angriff am 10. November 1944 das Sommerbad stark beschädigt, am 03. April 1945 die Schwimmhalle und das Restaurant im Sommerbad. Damit war ein regulärer Betrieb nicht mehr möglich, erst ab 3. Oktober 1946 konnte die Bevölkerung tageweise das Hallen- und Brausebad benützen.

Fotos der Bombentreffer und Kriegsschäden am Stadtbad Mödling.
Bombentreffer setzten dem Bad gegen Kriegsende arg zu. Russische Flieger trafen am 2. April 1945 auch die Kuppel des Hallenbades.

Als mit 1. September 1954 Mödling wieder selbstständige Gemeinde in Niederösterreich geworden war folgte auch die formelle Rückgabe des Bades an die Stadtgemeinde. Umgehend wurden die wichtigsten Sanierungsarbeiten begonnen und im Jahr 1957 die Schwimmunion Mödling gegründet. Bald stellten sich erste nationale und internationale Erfolge der SchwimmerInnen ein. Im Jahr 1963 sorgte der Saudiarabische König Inb Saud für Aufsehen: Im Zuge eines Aufenthaltes in der Hinterbrühl mietete er um 5000 Schilling pro Tag das Hallenbad um eine von Prof. Fellinger verordnete Wassertherapie durchführen zu können.

Im Jahr 1968 wurde das Hallenbad generalsaniert und umgebaut. Die schöne Glaskuppel verschwand aus Heizkostengründen unter einer Zwischendecke. Auch der Eislaufplatz wurde restauriert und 1970/71 seiner Bestimmung übergeben. 1972 bis 1980 wurden weitere Gründe im Bereich Grätl Setz-Steig und Goethegasse zur Erweiterung der Grünflächen angekauft. Am 7. Jänner 1972 wurde die neue Sauna im Hallenbad eröffnet.

Betonrutsche und Liegewiese in den 60er Jahren.
Die alte Blechrutsche wurde Anfang der 70er Jahre durch eine modernere Betonkonstruktion ersetzt (l.); Entspannung auf der großen Liegefläche in den 60er Jahren.

Per Gemeinderatsbeschluss vom 14. November 1980 ist die Verwaltung des „Gewerbebetriebes Stadtbad“ in den Händen der Stadtgemeinde Mödling Betriebs-GesmbH. 1987 wurde einem Wunsch der Jugend entsprechend eine 40 Meter lange Wasserrutsche im Hallenbad installiert.

Bei einem Lokalaugenschein im Jahr 1991 wurde „Gefahr im Verzug“ festgestellt, der Zahn der Zeit hatte seine Spuren deutlich hinterlassen. Kurzfristig überlegte man sogar einen kompletten Neubau unter Beibehaltung der denkmalgeschützten Fassade. Der geharnischte Protest der MödlingerInnen verhinderte diesen Plan aber rasch. Letztlich wurde der Möldinger Architekt DI Adolf Straitz mit der Sanierung und Revitalisierung beauftragt. Ihm war das Bad schon von Jugendtagen an eine echte Herzensangelegenheit. Die Gesamtkosten beliefen sich schließlich bei 79,650.000 Schilling, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll hatte die feierliche Eröffnung des neuen Hallenbades vorgenommen.

Zum Jahreswechsel 1998/99 waren auch schon die Pläne für den Freibadbereich fixiert, die schließlich auch von Architekt Straitz durchgeführt wurden. Die kosten für den Außenbereich mit Installierung der neuen Sauna im Grünen beliefen sich auf 19,276.000 Schilling. Zu Saisonbeginn 1999 konnten am 11. Juni Landtagspräsident Edmund Freibauer und Bürgermeister Dir. Harald Lowatschek das neue Erlebnisbecken mit der damals längsten Rutsche Niederösterreichs und dem neu geschaffenen Eltern-Kind-Bereich eröffnen!

Eröffnung des Hallenbades 1997.
Feierliche Eröffnung des Hallenbades 1997. v.l.: LH Erwin Pröll, Architekt Adolf Straitz, Bürgermeister Harald Lowatschek und der damalige BG-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Rubel.

Danksagung:
Texte und Bilder aus dem Buch "Das Stadtbad Mödling", Herausgeber und Verleger Architekt Dipl.-Ing. Adolf Straitz, Mödling, erschienen 1999.
Für Gestaltung, Redaktion, Texte und Bildmaterial zeichnet das Mödlinger Lokalhistoriker-Ehepaar Ilse und Georg Waldner verantwortlich.

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